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Verzugszinsen bei Entgeltforderungen im unternehmerischen Geschäftsverkehr

Prof. Dr. Hans Schulte-Nölke

I. Anspruchsvoraussetzungen bei vereinbartem Zahlungstermin

Ein Anspruch auf Verzugszinsen setzt zunächst voraus, dass die allgemeinen Voraussetzungen eines Schadensersatzanspruchs nach Art. 6:74 ff. BW vorliegen. Art. 6:74 (1) BW regelt, dass jede Pflichtverletzung einen Anspruch auf Schadensersatz des Gläubigers zur Folge hat, es sei denn der Schuldner hat die Verletzung der Leistungspflicht nicht zu vertreten. Die Nichtzahlung einer Geldschuld ist eine Pflichtverletzung i.S.v. Art. 6:74 BW. Jedoch setzt der Schadensersatzanspruch nach Art. 6:74 (2) BW außerdem den Eintritt des Schuldnerverzuges voraus.

In Umsetzung der Zahlungsverzugsrichtlinie 2011/7/EU bestimmt Art. 6:119a (1) Satz 1 BW, abweichend von der allgemeinen Regelung des Verzugs in Art. 6:81 ff. BW, den Beginn des Zinslaufs bei Entgeltforderungen im unternehmerischen Geschäftsverkehr.

Art. 6:119a (1) Satz 1 BW lautet:

„Der wegen verspäteter Bezahlung eines Geldbetrages geschuldete Schadensersatz besteht im Fall eines Vertrages zwischen Unternehmen in den gesetzlichen Zinsen aus dem Geldbetrag, gerechnet vom Beginn des Tages an, der auf den Tag folgt, der als letzter Tag der Bezahlung vereinbart war, bis zu dem Tag, an dem der Schuldner den Betrag bezahlt hat.“

II. Höhe der Zinsen

1. Gesetzlicher Zinssatz

Die Höhe des Zinssatzes ergibt sich aus Art. 6:120 (2) BW im Zusammenspiel mit Art. 6:119a BW aus dem jeweils zum Halbjahresbeginn von der Europäischen Zentralbank verkündeten Zinssatz für die letzte Hauptrefinanzierungsoperation zuzüglich 8 Prozentpunkten. Der gesetzliche Zinssatz beträgt für die Zeit vom

1.1.2014-30.6.2014:                           8,25%

1.7.2014-31.12.2014:                         8,15%

1.1.2015-30.6.2015:                           8,05%

1.7.2015-31.12.2015:                         8,05%

1.1.2016-30.6.2016:                           8,00%

2. Kapitalisierung von Zinsen jeweils nach Ablauf eines Jahres

Das niederländische Recht erlaubt – anders als das BGB – auch Zinseszinsen. Nach Art. 6:119 (2) BW wird die Hauptforderung jeweils nach einem Jahr Zinslauf um die in diesem Jahr fällig gewordenen Zinsen erhöht und die Zinsen werden im darauffolgenden Jahr auch über die auf die Hauptforderung addierten Zinsen aus dem vorhergehenden Jahr berechnet.

 

***

Art. 6:74 BW lautet:

„(1) Iedere tekortkoming in de nakoming van een verbintenis verplicht de schuldenaar de schade die de schuldeiser daardoor lijdt te vergoeden, tenzij de tekortkoming de schuldenaar niet kan worden toegerekend.

(2) Voor zover nakoming niet reeds blijvend onmogelijk is, vindt lid 1 slechts toepassing met inachtneming van hetgeen is bepaald in de tweede paragraaf betreffende het verzuim van de schuldenaar.”

 Art. 6:119a (1) Satz 1 BW lautet:

„De schadevergoeding, verschuldigd wegens vertraging in de voldoening van een geldsom, bestaat in het geval van een handelsovereenkomst in de wettelijke rente van die som met ingang van de dag volgend op de dag die is overeengekomen als de uiterste dag van betaling tot en met de dag waarop de schuldenaar de geldsom heeft voldaan.”

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